Meine Welt

Ratta, ratta, ratta… die Nähmaschine rattert über den Saum. Vorwärts, rückwärts und dann nochmal vorwärts. Das kleine Shirt in Größe 74 ist fertig. Voller Stolz begutachte ich mein Werk. Ich male mir aus, wann meine Tochter es tragen wird. Wie ich ihr später davon erzählen werde, dass ich das Shirt genäht habe, während wir gemeinsam Babyfotos angucken.

Meine Tagträume werden unterbrochen von einer verächtlichen Lache. Mein 20-jähriges Ich sehe ich deutlich vor mir – frech grinsend. Sie beguckt mich von oben bis unten: ,,Und? War es das, was dir vor sechs Jahren in den Sinn gekommen ist, als du dachtest, dass die Welt nur auf dich wartet?“

Die Gedanken drehen sich und plötzlich läuft ein Film vor mir ab. Der Film, wie ich mir mein Leben erträumt habe – mit 20 Jahren.
Jung, ungebunden mit dem Kopf voller Träume und dem Herz auf der Zunge. Warme Maitage in Köln und kalte Heimwege in Montreal.
Ich hatte so viel vor. Wollte reisen, die Welt sehen, vielleicht studieren – am besten alles auf einmal.
Meinen Platz in der großen weiten Welt finden und trotzdem nichts verpassen, immer unterwegs sein. Den Masterplan habe ich nie gehabt. Ich habe mich treiben lassen.

Heute bin ich die mit dem strukturierten Tagesplan. Die, die meckert, weil der Toilettendeckel nicht herunter geklappt ist. Die, die Termine koordiniert. Die, die das Kinderzimmer jeden Nachmittag aufräumt und sich Gedanken darüber macht, welches Chaos es noch zu beseitigen gilt, bevor der nächste Besuch eintrifft. Die, die mittags um 12 Uhr zu Hause ist, damit das Kind Mittagsschlaf machen kann und abends nur noch selten weggeht, weil sie müde ist.
Ich bin die, die ich damals spießig fand.

Ich knipse das Licht im Büro aus. Leise öffne ich die Tür zum Kinderzimmer. Ich schleiche in Richtung Gitterbett und lausche dem gleichmäßigem Atmen meiner Tochter. Ich streichel über ihren Kopf und lächle.
Danach krabbel ich ins Bett, während mein Mann bereits schnarcht. Ich lausche dem Schnarchen eine Weile bis er sich dreht und es verstummt.

Ich lächle wieder und sage zu meinem 20-jährigen Ich: Diese Welt hat tatsächlich auf mich gewartet. Meine ganze Welt.

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Working mum

In genau einem Monat beginnt ein neuer Abschnitt für unsere kleine Familie, denn ich werde wieder arbeiten gehen.

Ein Thema was ich viel früher anschneiden wollte. Allerdings musste ich erstmal abwarten bis mein neuer Job fest und das Bewerbungsprozedere abgeschlossen ist.

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Ein Teil von mir

Das Thema Fehlgeburt ist eins, worüber die Wenigsten offen sprechen, weil es sehr persönlich ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass Leistung und Erfolg in der heutigen Gesellschaft am meisten zählen – ein Kind verlieren = Verlieren = Versagen.
Ich habe mich entschieden meine Geschichte zu erzählen um vielleicht auch jemandem helfen zu können, der sich genauso fühlt wie ich zu dem Zeitpunkt.

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